MSP Dr. Mark, Dr. Schewe & Partner GmbH
Altlastenerfassung
Informationssysteme
Über uns
Aktuelles
Kontakt
Impressum
Altlastenerfassung - Informationssysteme
Standortbezogene Erfassung / Historische Erkundung

Durch den normalen Betrieb von Anlagen, aber auch durch Unfälle, Leckagen und Kriegseinwirkungen sind auf vielen Industrieflächen Bodenverunreinigungen entstanden. Diese sind aber nur selten gleichmäßig über einen Standort verteilt, sondern konzentrieren sich überwiegend auf die Flächenareale, auf denen sie entstanden sind.


Will man nun gezielt die Bodenbelastung in Art und Umfang ermitteln, so muss man zunächst wissen, wo auf dem Gelände altlastrelevante Nutzungen stattgefunden haben:

 


  • Wo standen welche Betriebsanlagen?

  • Wo wurde ggf. verfüllt und abgelagert?

  • Gab es Schäden durch Kriegseinwirkungen oder Unfälle?


Genau diese Fragen werden durch die standortbezogene Erhebung von Altlasten bzw. Historische Erkundungen / Historische Recherchen beantwortet. Es geht prinzipiell darum, im Vorfeld der Gefährdungsabschätzung möglichst viele Informationen zu sammeln, die Hinweise auf mögliche Kontaminationen liefern.

Die Methodik der Erhebungen zielt dabei auf eine sukzessive Informationsverdichtung durch die Auswertung verschiedener, voneinander unabhängiger Informationsquellen ab. Da es kaum Quellen gibt, denen Informationen zur Lage und Art kontaminationsverdächtiger Flächen direkt zu entnehmen sind, müssen die Informationen indirekt erschlossen werden. Dazu kommen in Frage:

  1. die Archivrecherche mit der Auswertung des erhaltenen ungedruckten wie gedruckten Dokumentationsgutes in öffentlichen Archiven sowie in den behördlichen (Alt-) Registraturen

  2. die multitemporale Kartierung, d. h. die Auswertung georäumlich-flächen-abbildender Quellen verschiedener Entstehungszeiten, speziell

    • die Auswertung der Erstausgaben und Fortführungen amtlicher topographischer Karten in Maßstäben von 1:25.000 und größer sowie
    • die Interpretation von Luftbildern, wie sie aus Flächen-, Trassen- und anderen Befliegungen vorliegen,

  3. die Zeitzeugenbefragung, also die Befragung von ehemaligen Werksangehörigen und sonstiger Gewährsleute zu spezifischen Nutzungen bzw. Ereignissen.

Die Ergebnisse der Untersuchung werden in einem schriftlichen Gutachten dargestellt, zu dem auch immer ein Kartensatz gehört, in dem möglichst großmaßstäbig kontaminationsrelevante Nutzungen wie z.B. Betriebs- und Produktionsanlagen, Ablagerungen und auch Kriegseinwirkungen flächendifferenziert dargestellt und im Hinblick auf Kontaminationsrisiken fachlich beurteilt werden (s. u.).




Grundsätzlich geht es also bei standortbezogenen Recherchen um die Frage, wo innerhalb einer Liegenschaft mögliche Belastungsschwerpunkte lokalisierbar sind, auf welche Art von Nutzungen bzw. Ereignisse diese Belastungsschwerpunkte zurückzuführen sind und wie sie im Hinblick auf ihre Erheblichkeit eingeschätzt werden müssen.

Letzteres - die fachliche Beurteilung der Erfassungsbefunde - ist ein Kernstück des Erfassungsgutachtens. Die ermittelten Befunde (Gebäude und Anlagen, Ablagerungen etc.) sind im Hinblick auf ein Kontaminationsrisiko nicht alle gleich einzuschätzen, sondern sie unterscheiden sich je nach Nutzungsart und -dauer. Ein Öllager innerhalb einer Liegenschaft ist hinsichtlich eines Kontaminationsrisikos höher einzuschätzen als ein Kesselhaus. Ebenso ist eine Verfüllung aus den 1960er Jahren aufgrund fehlender Umweltschutzgesetze (und mangelnden Problembewusstseins) kritischer einzuschätzen als eine Ablagerung aus den 1980er Jahren. In der Praxis hat sich eine dreistufige Risikodifferenzierung bewährt, die Flächen mit geringem, mittlerem und hohem Kontaminationsrisiko ausweist. So lassen sich Maßnahmen etwa der Gefährdungsabschätzung oder auch Planungsmaßnahmen einer Folgenutzung gezielt auf kritische bzw. unkritische Teilbereiche einer Liegenschaft konzentrieren.

 



Die Arbeit des "Altlastenerfassers" gleicht im Grunde der Arbeit eines Detektivs, der verschiedene Informationsquellen zur Aufdeckung nicht bekannter Tatbestände zu nutzen versucht. Schritt für Schritt wird die Vergangenheit eines Grundstücks rekonstruiert, indem historische Karten, Lagepläne, Luftbilder und Aussagen von Zeitzeugen ausgewertet, zusammengeführt, kartographisch umgesetzt und fachlich beurteilt werden.

Dabei ist die empirische Tatsache zu bedenken, dass der Rechercheaufwand keineswegs in einem proportionalen Verhältnis zum Erkenntnisgewinn über die Altlastensituation eines Grundstücks steht. Wie die untenstehende Grafik zeigt, verflacht sich der Kurvenverlauf, der das Verhältnis zwischen Erkenntnisgewinn und Aufwand im idealisierten Normalfall abbilden soll, mit steigendem Aufwand derart, dass ab einem bestimmten Punkt - wenn überhaupt - nur noch ein minimaler Zugewinn an relevanten Erkenntnissen zu erzielen ist.

 



Solange Rechercheaufwand und Erkenntnisgewinn in einem optimalen Verhältnis zueinander stehen, "rechnet" sich die Investition in eine - sachverständig - durchgeführte Historische Recherche praktisch immer.

Problematisch - und das soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden - sind einige Umstände, die im Zusammenhang mit der Historischen Recherche als Dienstleistung stehen und sich um das "leidige Thema" Ausschreibung, Leistungsverzeichnis und Kostenkalkulation drehen.

Es ist gewissermaßen die Crux der Historischen Recherche, den für ein hochwertiges Erfassungsgutachten hinreichenden Rechercheaufwand ("x" in der obenstehenden Grafik) vorab zu bestimmen. Im Regelfall ist es zwar ohne großen Aufwand möglich, die in Frage kommenden Luftbilder und topographischen Karten zu ermitteln. Wie hoch aber der Aufwand ist, der durch die Archivrecherchen entsteht, lässt sich auf Anhieb kaum zuverlässig abschätzen. Kostenrelevant ist auch die Frage, wie hoch die Nutzungsdynamik auf einem Standort war, und daran gekoppelt, wie viele Gebäude und Anlagen zu erheben, zu beschreiben. zu beurteilen und kartographisch darzustellen sind. Um wenigstens größenordnungsmäßig die Höhe des zu erwartenden Aufwandes einschätzen zu können, sind zum Teil sehr zeitaufwendige Vorrecherchen notwendig, in denen der Anbieter zumindest eine grobe Quellensichtung vornimmt. Wer sich diesen Aufwand leisten kann, genießt den Voreil einer zuverlässigeren Kostenkalkulation, unterliegt aber häufig im Wettbewerb denjenigen Mitbewerbern, die "auf gut Glück" einen unter Umständen erheblich niedrigeren Preis angeboten haben.

Der (leider seltene) Idealfall ist eine präzise Leistungsbeschreibung des Auftraggebers, in der explizit die Rechercheziele, die anzuwendenden Verfahren zur Informationsgewinnung und der geforderte Geräteeinsatz genannt und erläutert werden. Die Archivrecherche sollte ergebnisorientiert gestaltbar sein, d. h. es werden nach Basisrecherchen in den relevanten Archiven und Informationsstellen Abstimmungsgespräche mit dem Auftraggeber geführt, in denen festgelegt wird, ob - und wenn ja - in welchen Beständen weiterrecherchiert werden soll. Für die Position der Archivrecherche wäre dann idealerweise kein fester Betrag, sondern ein Finanzrahmen festzulegen, der ein notwendiges Maß an Flexibilität gewährleisten würde.


nach oben



Weiterführende Literatur zu diesem Thema

DODT, J. & MARK, H. 1993: Luftbild und Altlasten. Luftbildauswertung in Standortrecherchen rüstungsbedingter Altlast-Verdachtsflächen. - In: RUBIN, H.2/93, Bochum, 10-17.

DODT, J. & MARK, H. 1994: Zur Bedeutung von Fernerkundungsverfahren für das Flächenrecycling. - In: Brachflächenrecycling, 1, Essen, 22-30.

DODT, J. & MARK, H. 1994: Methodik der Erfassung von Bodenverunreinigungen in Projekten des Flächenrecycling. - In: Taschenbuch Brachflächenrecycling 1995, Essen, 107-133.

DODT, J., FRIEBERTSHÄUSER, D. & MARK, H. 1996: Erfassung, Erstbewertung und Gefährdungsabschätzung von Altlasten auf der Konversionsliegenschaft Flugplatz Werl. - In: Brachflächenrecycling, 3/96, Essen, 22-30.

DODT, J., MARK, H. & SCHEWE, J. 1997: Erhebungen über Altlast-Verdachtsflächen auf militärischen Liegenschaften. - Materialien zur Altlastensanierung und zum Bodenschutz, Bd. 1, Düsseldorf, 149 S.

KERTH, M., MARK, H. & BÖSE, A. 1998: Systematisches Altlastenuntersuchungsprogramm bei der Konversion am Beispiel der Liegenschaft ehemaliger Fliegerhorst Detmold. - In: altlasten spektrum, 6/98, Berlin, 323-330.

DODT, J., MARK, H. & SCHEWE, J. 1999: Nutzungstypische Kontaminationen auf militärischen Liegenschaften in Nordrhein-Westfalen. - Materialien zur Altlastensanierung und zum Bodenschutz, Bd. 7, Düsseldorf, 84 S.

KERTH, M., LAMPE, A., LUBIENETZKI, B. & MARK, H. 2001: Ermittlung der Mächtigkeit anthropogener Auffüllungen mit Hilfe der Luftbildauswertung. - In: TerraTech 1/2001, Mainz, 37-39.

DODT, J. & MARK, H. 2003: Die Protokolle der Luftschutzpolizei - eine Quelle zur Erfassung altlastverdächtiger Flächen des Zweiten Weltkriegs - In: altlasten spektrum, 5/03, Berlin, 250-254.

DODT, J., MARK, H. & RUPPEL, G. 2004: Kriegsbedingte Kontaminationsanteile auf altlastverdächtigen Altstandorten. - Materialien zur Raumordnung, Bd. 63, Bochum, 118 S.

MARK, H. 2004: Aktuelle Fragestellungen Historischer Recherchen. - In: altlasten spektrum, 5/04, Berlin, 276-281

MARK, H. 2008: Altlastenrecherchen in deutschen Staatsarchiven der zentralen Ebene: - In: altlasten spektrum, 4/2008, Berlin, 166-169.PDF

MARK, H. 2012: Altlasten des Alterzbergbaus - Quellen und Methoden der historischen Recherche. - In.: altlasten spektrum, 2/2012, Berlin, 66 - 70.PDF

nach oben

 





AltlastenerfassungInformationssystemeÜber unsAktuellesKontaktImpressum